Ich frage mich manchmal „Was geschieht eigentlich mit all diesen pausenlos angefertigten Aufnahmen? Ständig gezückte Kleinbildkameras (wenn überhaupt, weil retro), Mobilfunkgeräte und Actioncams.“ Alles gespeichert und abgelegt, zusammengestellt zu „Erinnerungen“ in aufpoppenden Alben? Welche Algorithmen mögen dahinter stehen? Wessen Überlegungen sind hier in Zahlenwerken zu Grunde gelegt?
Meine Beschäftigung mit Photographie geht bis in meine späte Kindheit zurück. Wir besaßen eine Zeiss-Voigtländer Kleinbildkamera mit Tessarobjektiv. Dafür war ich zu klein. Besser das Gerät lag unbenutzt im Schrank. Ich bekam eine Agfa mit Fixfokus zum 9. Geburtstag. Einen Film gab es dazu. „Du fotografierst sowieso nur Unfug.“ Der fertige Film musste ja entwickelt werden. Die Ergebnisse galten als nicht brauchbar. Na ja. Einige. Wenn ich versuchte durch Bewegen der Kamera besondere Effekte hervorzurufen.

Selbstauslöser. Es war möglich mit der Zeiss-Voigtländer Aufnahmen mit dem Selbstauslöser zu machen. Die Serie sollte möglichst natürlich wirken, wie Schnappschüsse. Das Licht kommt durch ein Oberfenster schräg von der Seite.
Bei der Fotografie ist mir wichtig, Situationen und Gefühle einzufangen oder einfach zu dokumentieren. Schöne Landschaften perfekt einzufangen interessiert mich nicht. Dafür gibt es Postkarten.
Perfektion ist ekelhaft
Die kühle Distanziertheit moderner Modefotografen mit ihrer perfekten Technik, aufwändigem Equipment und vielfältigen Nachbearbeitungungsmöglichkeiten, ist sicherlich ein Faszinosum, für den Augenblick, gerät jedoch schnell zum offensichtlichen Fake.
Elitäre, aufgeblähte Ästhetik, unerreichbar für Sterbliche. Götter der Fotografie, erhoben zu Lebzeiten in den Olymp der schönen Künste.

Doch was ist Ästhetik? Was kann uns heute Ästhetik sein? Die perfekte Abbildung einer Nase? Die Windungen eines Ohres? Das Gehäuse einer Schnecke?
Die Frage ist ja, was sehen wir, was wollen wir sehen, was wird uns gezeigt? Was empfinden wir vor dem Bild? Das eine Mal konsumieren wir die Vielzahl der Abbildungen, mit denen wir uns konfrontiert sehen; dann wieder halten wir inne und verweilen, verlieren uns im Bild.

Polaroid
Irgendwann kam mir eine alte Polaroid mit zwei Schwarzweiß Filmen in die Finger. Das Material war sichtlich gealtert und ich war mir nicht sicher, ob man mit den Ergebnissen etwas anfangen könnte. Mit einem Spezialstift musste nach dem Entwickeln noch ein Fixativ aufgebracht werden.

Ich liebe diese Zufälligkeiten, die sich unbeabsichtigt ergeben. Sei es die unbelichtete Stelle rechts, die sich wie ein Balken in das Bild hineinzieht oder oben links die Stelle, die wie angefressen aussieht. Die Ausfransungen ergeben sich durch das Abreißen von der Filmrolle. Erstaunlich ist der Kontrast, schließlich ist der Hund schwarz. Schön, wie sich graphische Elemente mit der Natur verbinden. Das Photo ist ca. 1980 entstanden, irgendwann im Sommer des Jahres.

nun, ich bekam erst gar keine Kamera oder Fotoapparat in meine Hände, so viel dazu geschrieben. Dies ist ziemlich lange her. Deshalb meinten wir „einhellig“ (Peergroup) auf Fotografien in meinen Jugendjahren nahezu komplett auch verzichten zu können. Wir nahmen an, dass Erinnerungen als Erlebnis – im Körper viel intensiver bewahrt werden würden – als es eine fotografische Aufnahme es wiedergeben könnte // aus der Not wurde eine Tugend gemacht, würde ich es heute nennen; – oder „Not“ macht erfinderisch, um den #Mangel an fotografischem Bildmaterial oder Möglichkeiten zu kompensieren, da es damals definitiv ziemlich teuer war
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Interessant. Ich besaß zwar eine Kamera, nicht jedoch die Mittel, damit zu arbeiten. Andererseits war der Anspruch an „künstlerische“ Photographie derart hochgeschraubt – du musst erst, man braucht, ohne … geht das nicht- , dass die Ergebnisse keiner Kritik stand halten konnten. Wir verlegten uns dann aufs Zeichen und Malen und auf die Herstellung von Objekten. Später konnte ich mir durch Ferienjobs während des Studiums eine einfache Spiegelreflexkamera leisten.
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ja, später konnte ich mir auch eine Spiegelreflexkamera mit Autofokus leisten, um in erster Linie Dias aufzunehmen. Ja, die Ansprüche an wirklich gute fotografische Aufnahmen waren extrem hochgeschraubt durch technische, physische etc. Kenntnisse für Belichtungszeiten & Objektiveinstellungen für Studio- und Laborsituationen sowie Reportage- & Dokumentationsaifnahmen usw. // Ende der 90iger Jahre habe ich dann die Lomgrafie entdeckt, die mich seitdem kaum mehr losgelassen hat
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sorry, für Tippfehler: LOMOGRAFIE
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als Fotografin beachtlich: Vivian Maier, Diane Arbus // Fotografen: August Sander
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Helmut Newton im Museum für Fotografie in Berlin …
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