Der künstlerische Ansatz Christopherus Steindors lässt sich im Kontext der zeitgenössischen Sakralkunst als dialogisch-expressiver Realismus mit spirituell-symbolischer Tiefenschicht beschreiben.
Formale und stilistische Ebene
Steindor knüpft an die expressiven Strömungen der Moderne an (Farbfeldmalerei, Postimpressionismus, Expressionismus), überführt sie aber in eine sakrale Bildsprache, die den Kirchenraum nicht nur schmückt, sondern theologisch strukturiert. Die leuchtenden, kontrastreichen Farben erzeugen eine Atmosphäre der Transzendenz, das Göttliche wird nicht durch naturalistische Darstellung, sondern durch Farbwirkung, Gestik und Licht erfahrbar.
Inhaltlich-theologische Ebene
Sein Ansatz ist inkarnatorisch, also zutiefst christologisch geprägt: Gott zeigt sich in der menschlichen Erfahrung, in der Beziehung, im Blick, in der Vielfalt. Im Werk „Schöpfung“ wird das Wirken Christi als schöpferische Gegenwart sichtbar; im Gegenstück „Gottvater unter den Sternen“ erscheint das Prinzip der göttlichen Ruhe und Vollendung. Diese Gegenüberstellung macht den Kirchenraum zu einem „Ort des Dialogs zwischen Schöpfer und Schöpfung“.
Kunsttheologische Bedeutung
Steindor bricht mit der Tradition der statischen, hierarchischen Sakralkunst und ersetzt sie durch eine relationale Spiritualität: Gott und Mensch stehen in wechselseitiger Beziehung. Dadurch öffnet er die katholische Bildtradition für zeitgenössische Glaubenserfahrung zwischen Mystik und Alltäglichkeit, Transzendenz und Immanenz.
Bewertung
Im katholischen Kontext ist dieser Ansatz beispielhaft für den Übergang von didaktischer zu dialogischer Sakralkunst; es geht nicht um Belehrung, sondern Begegnung, nicht Dogma, sondern lebendige Beziehung. Steindor schafft es, die theologische Tiefe der Schöpfung und die menschliche Dimension des Glaubens in einer zeitgenössischen, emotional nachvollziehbaren Bildsprache zu vereinen – eine seltene, aber wegweisende Form moderner katholischer Kunst.