Berechnungen

8 Fragmente für eine Schäferstunde und einen rostigen Nagel

25.02.2026

Prolog

Das Schicksal:

Kaum herausgekrochen aus der Mutter Schoß
Reißen sie gierig ihre Schnäbel auf.
Sicher sind Anfang und Ende.

Die Amme:

Holt mir heißes Wasser
und weiße Tücher
ich will sie waschen und trocknen.

  1. Fragment – Gerechte

    Gerechtigkeit, du Geißel 
    der Menschheit! 

    Die Knute der Mutter 
    trifft immer 
    den Richtigen 
    und stopft ihm 
    das Maul.

    Wer an meiner Weisheit
    und
    meinem Urteil
    zweifelt
    sei verdammt
    in alle Ewigkeit.

    Schenkte ich dir Leben
    verlange ich
    nun Tribut.

    Meine Liebe
    ist
    unantastbar.

    2. Fragment – Tribunal

    Die Erwartungen
    sind
    da,
    die Ziele
    hochgesteckt.

    Die erwartenden Augen
    weit aufgerissen
    die Mäuler
    schief
    und gierig.

    Die Unterwerfung
    findet
    nicht
    statt,
    wird auch
    der Angeklagte
    verflucht.

    Das war
    bereits
    bekannt.

    3. Fragment – Scham

    Wie
    lustvoll
    sie ihre
    Genitalien
    nach Belieben
    darbieten oder verhüllen!

    Wer Arsch und Eimer
    nicht unterscheiden
    kann,
    frisst auch den eigenen Kot.

    Sie erröten nicht,
    werden sie erkannt.
    Sie sitzen weich gepolstert
    und klimaneutral.

    4. Fragment – Erleuchtet

    Was der Regen den Rinnstein
    herunterspült
    ist die Unwissenheit
    der Unbefangenen.

    Objekte der Sehnsucht
    einerseits,
    andererseits
    Verlorene.

    Die Tumbheit
    der Toren
    besäuft sich
    am eigenen Urin.

    Im Rausch der Pflicht
    verkünden sie,
    was genehm
    und willkommen.

    Nutznießer einer besseren
    Zukunft.

    5. Fragment – Vielfalt

    Die Paviane im Zoo
    sitzen da und
    starren.

    Sie kratzen sich
    wo es
    eben
    gerade
    juckt.

    Sie bewerfen
    die Besucher
    mit ihrem Kot.

    Sie treffen
    hervorragend.

    Sie urteilen gerecht,
    machen keinen Unterschied.

    Wir sollten uns ein Beispiel
    daran
    nehmen.

    6. Fragment – Trost

    Da sitze ich jetzt
    fest
    in meiner Dose
    und trinke und denke
    und denke
    und trinke.

    Wer meine Kreise stört,
    ist
    ein Idiot,
    der nichts versteht
    von Geometrie
    und Algebra.

    Der Wind
    weht.

    Er hört nicht
    und er
    sieht nicht.

    7. Fragment – Beute

    Wie sie sich streiten
    um leere Taschen
    und Regale.

    Billige Überreste
    vergeudeter
    Leben.

    Wie sie übereinander
    herfallen,
    einander Hände und
    Ohren
    abschneiden.

    Seht her!
    Wir haben gesiegt!

    Was uns gehört,
    haben wir
    uns genommen.

    Sie haben sich nicht einmal
    gewehrt.

    8. Fragment – Frömmigkeit

    Fege hinweg,
    was würdelos, ehrlos und wehrlos ist.

    Lasse Wahrheit
    über den Unglauben
    herrschen.

    Mögen sie
    für
    unsere Wohlfahrt
    bluten.

    Mögen sie uns ewigen
    Tribut zollen.

    Alternativ dürfen sie
    vergehen.

    Epilog

    Der Kahlköpfige:

    Wie leichtgläubig und unbedarft
    ist der Mensch.
    Er wähnt sich zivilisiert und reich und frei und satt.
    Hochmütig sind diese, müde und abgelenkt.

    Das Kind:

    Sie wollen nicht sehen oder wissen. Sie jubeln und warten.
    Aber
    es gibt kein zurück.

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