Formulare und Downloads

In der Reihe der #Kunstzertifikat-Materialien werden die #Kunstzertifikat-Bewertungsgrundlagen veröffentlicht

Antrag zur Förderung

#Kunstzertifikat – Materialien

Fragebogen A – #Kunstzertifikat

Fragebogen B – #Kunstzertifikat

Fragebogen c – #Kunstzertifikat

Vereinfachte Antragsstellung

Vereinfachte Antragsstellung (Erläuterungen)

Vereinfachte Antragsstellung (Ergänzung)

Hintergrundpapier zur vereinfachten Antragsstellung

Voraussetzungen zur Erlangung der Zertifizierungsreife

10-Punkte-Regel für Antragssteller

Qualifizierung (Leitfaden)

Qualifizierung (Kompendium)

Ausfüllhinweise für Fragebogen A

Policy Brief #Kunstzertifikat

Diese Liste wird ständig entsprechend den Anforderungen überprüft und ergänzt. Alle Materialien unterliegen der Aufsicht des Gremiums. Freigaben erfolgen nach Rücksprache.

#Kunstphönix und #Kunstzertifikat

Wenn alles Kunst ist, ist nichts Kunst. Wenn jeder Kunst macht, macht keiner Kunst. Wenn machen Kunst ist, stellt sich die Frage, was nicht gemacht ist? Wenn also Kunst gemacht ist, ist sie dann nicht Abbildung, Täuschung, Fake? Ist sie nicht Abbildung einer Erwartungshaltung? Ist sie nicht Produkt am Ende eines Prozesses, am Ende eines Regelkreises?

Kunst als Teil der Gesellschaft ist absurd

Wenn Kunst einen Prozess beschreibt, mit Aufgabengrößen und Stellgliedern, unterwirft sie sich den Normen, ist Teil der Gesellschaft. Sie erhält eine definierte Funktion, die ihr zugewiesen wird.

Wenn alles Kunst ist, ist Kunst eine Ware, ein Produkt, wie jedes Ergebnis menschlichen Schaffens. Dann aber ist sie nicht frei. Ist der Künstler nicht frei in seinem Werk. Dann kann es keine Kunst geben, in der Gesellschaft.

Banause und Idiot als Freiheitskämpfer für die Kunst

Jedwede Gesellschaft schließt die Freiheit aus. Die Freiheit der Andersartigkeit. Löst Gesellschaft aber Andersartigkeit auf, löst sie auch die Freiheit anders sein zu können auf. Sie duldet, erduldet. Sie erzeugt den Banausen. Gleichzeitig erzeugt sie den Idioten, der sich erhebt und nichts braucht, als Überheblichkeit.

Solange diejenigen über Kunst und das Gelingen von Kunst reden und urteilen, die nur Zustände ansatzweise zu beschreiben im Stande sind und nichts schaffen, außer Entmutigung und Abschreckung, kann nichts entstehen, wird jedem Ansatz zu schaffen, die Daseinsberechtigung entzogen.

Wo aber die Einsicht fehlt, wo Selbstverblendung herrscht, kann auch nichts daneben sein.

Setzt Schaffen schöpferische Kraft voraus, so braucht es auch Befähigung und Berechtigung. Die Berechtigung erlangt jedoch nur der freie Geist, der freie Schöpfer.

Wer aber schöpft frei? Doch nur der, der für sich allein sein Universum zu schaffen in der Lage ist. Ist Kunst das, was nicht Natur ist? Wie unterscheiden wir Kunst und Natur?

Fake und Imitat

Wenn wir Kunst als Event präsentieren, steht nicht dann die Inszenierung im Mittelpunkt? Soll Kunst sich selbst feiern? Oder soll Aufmerksamkeit geweckt werden? Braucht es vielleicht Eventmanagement? Wozu dann noch das Werk?

Kunst als unsterblicher Phönix

Wahre Kunst kann nur durch Selbstreinigung erstehen. Wenn die alte Kunst zu Asche zerfallen ist, wird sie als Phönix aus der Asche steigen.

Jede Kunst ist Raubkunst. Für kleines Geld ihren Schöpfern entrissen.

Gebt die Werke ihren Schöpfern zurück!

Das Zertifikat als höchster Ausdruck freier Kunst

Trollerei und Alleinvertretungsanspruch

Fortsetzung folgt…

#Kunstpuff – #Kunstlude

Nachdem sich die Kunst in Wohlgefallen aufgelöst hatte, suchte sie nach Orten, ein Nischendasein zu fristen. Ein Ort jenseits und mitten in der Gesellschaft, wo jeder bekommt, was er in der Gesellschaft unterdrückt, wo es gegen Geld Leistung gibt. Mal besser mal schlechter im Bewusstsein jenseits der Norm, genormt zu handeln. In wohl regulierter Freiheit und Freizügigkeit, sich hinzugeben, sich unterordnend, kaninchengleich hoppelnd, mümmelnd und quietschend, auf Anweisung wartend, zugleich Janusköpfig verspielt oder ernsthaft bei der Sache, Qualitätsarbeit abliefernd.

So eintritt Sie, der Kunstlude, Mittlerin des Objektes jetzt jedoch Subjekt. Braucht es zudem Willigkeit und Potenz, sowohl als auch.

#Kunstregime

Prolog

Man muss anfangen, bevor es dich anfängt. Du musst anfangen, in Frage stellen, Fragen fragen. Denken finden, denken erfinden. Wenn der Tag kommt.

Wir gründen uns jetzt. Jetzt und hier. Nicht einzeln, sondern gemeinsam. #Kunstregime. Jetzt.

Wir werden hier unser Manifest verkünden. Vom Regime der Kunst.

1. Akt – Definition und Sinnfang

Es ist vom Werden am Anfang nur Leere und knurrender Magen. Also beschloss ich meiner Werdung. Der Selbstwerdung aus Nichts. Hatte ein wenig Sand zwischen den Zehen – tut aber nichts zur Sache, weil ohne Bedeutung. Ich meiner nicht allein, weil wollte viel auf einmal. Best sofort hier und jetzt. Also multiplex Zack Zack. Meinet viele, meinet sehr viele, meinet wir.

2. Akt – Wir und Ich

Wir Werdung ist kein Konjunktiv. Entstanden aus ich + viele + vielleicht. Vielleicht ist ein Dreck. Vielleicht ist unzuverlässig. Also ist Ich immer Wir. Immer klar. Immer eindeutig. Ewig vergänglich. Ohne Vielleicht. Weil wir gewordene Werdung. Von Ichung zu Wirung. Klar und sauber.

3. Akt – Die Kunst hat ausgedient

Wenn alles Realität oder Dekor. Was soll dann noch Kunst? Fragen stellen? Provokation? Schlafwandler wecken oder einhüllen? Längst hat sich alle Kunst überlebt. Eingemottet in Kellern, bewacht in Hochsicherheitstrakten. Stets sich unterordnend in höchsten Tönen singenden Kastraten, selbst unfähig zu schaffen, sich erhebend zu Hohepriestern, Päpsten und Mäzenen. Da bieten sie Ware feil, wie es die Mode verlangt. Fordernd „schafft Neues“. Auf der Suche nach Namen, nach Märkten. Die Ware Kunst ist austauschbar. Folgt den Anforderungen der Zeit im Ist. Sie taugt nicht mehr, die Kunst. Hat ausgedient, hat sich verkrochen, hinter Reproduktion und Massentauglichkeit. Hat sich verloren.

4. Akt – Das Neue fällt in das Nichts

Was soll da sein, was nicht schon längst war? Wohin mit Aufbruch in neue Zeitalter? Was geschah mit dem neuen Menschen, hat er sich verloren, abgeschliffen, die Nase bereits blutig geschlagen oder hat man sich einfach nur schlafen gelegt, säugend an der Mutter Brust Kunst? Hat es sich an einen Abgrund begeben, überlegend den letzten entscheidenden Schritt zu tun, der Wahrheit bringen soll? Nichts dergleichen. Sind doch nur lieb gewonnene Gewohnheiten, Einzigartigkeiten, die Sehgewohnheiten reizend, die Erfahrungen reizend, das Beliebige aufreizend, die freie Gesellschaft in ihren Ketten entbößend. So wird neu, was verborgen, so wird verborgen, verdeckt, was anschließend als neu feil geboten zur Ware. Es ist dies das Wesen der Kunst, am eigenen Reiz zu ersticken und zu fallen.

5. Akt – Foundation of artism

We should fight any art. No art no war. Stop art now. Artism now. Die Kunst hat abgedankt. Niemand weint ihr eine Träne nach.

ARTISM NOW! #Kunstregime

Photoreproduktion als Ausdrucksweise

Ich frage mich manchmal „Was geschieht eigentlich mit all diesen pausenlos angefertigten Aufnahmen? Ständig gezückte Kleinbildkameras (wenn überhaupt, weil retro), Mobilfunkgeräte und Actioncams.“ Alles gespeichert und abgelegt, zusammengestellt zu „Erinnerungen“ in aufpoppenden Alben? Welche Algorithmen mögen dahinter stehen? Wessen Überlegungen sind hier in Zahlenwerken zu Grunde gelegt?

Meine Beschäftigung mit Photographie geht bis in meine späte Kindheit zurück. Wir besaßen eine Zeiss-Voigtländer Kleinbildkamera mit Tessarobjektiv. Dafür war ich zu klein. Besser das Gerät lag unbenutzt im Schrank. Ich bekam eine Agfa mit Fixfokus zum 9. Geburtstag. Einen Film gab es dazu. „Du fotografierst sowieso nur Unfug.“ Der fertige Film musste ja entwickelt werden. Die Ergebnisse galten als nicht brauchbar. Na ja. Einige. Wenn ich versuchte durch Bewegen der Kamera besondere Effekte hervorzurufen.

Selbstauslöser. Es war möglich mit der Zeiss-Voigtländer Aufnahmen mit dem Selbstauslöser zu machen. Die Serie sollte möglichst natürlich wirken, wie Schnappschüsse. Das Licht kommt durch ein Oberfenster schräg von der Seite.

Bei der Fotografie ist mir wichtig, Situationen und Gefühle einzufangen oder einfach zu dokumentieren. Schöne Landschaften perfekt einzufangen interessiert mich nicht. Dafür gibt es Postkarten.

Perfektion ist ekelhaft

Die kühle Distanziertheit moderner Modefotografen mit ihrer perfekten Technik, aufwändigem Equipment und vielfältigen Nachbearbeitungungsmöglichkeiten, ist sicherlich ein Faszinosum, für den Augenblick, gerät jedoch schnell zum offensichtlichen Fake.

Elitäre, aufgeblähte Ästhetik, unerreichbar für Sterbliche. Götter der Fotografie, erhoben zu Lebzeiten in den Olymp der schönen Künste.

Selbstbildnis, 1973, Öl auf Holz

Doch was ist Ästhetik? Was kann uns heute Ästhetik sein? Die perfekte Abbildung einer Nase? Die Windungen eines Ohres? Das Gehäuse einer Schnecke?

Die Frage ist ja, was sehen wir, was wollen wir sehen, was wird uns gezeigt? Was empfinden wir vor dem Bild? Das eine Mal konsumieren wir die Vielzahl der Abbildungen, mit denen wir uns konfrontiert sehen; dann wieder halten wir inne und verweilen, verlieren uns im Bild.

Kleine Zigarrenkiste mit Selbstbildnis

Polaroid

Irgendwann kam mir eine alte Polaroid mit zwei Schwarzweiß Filmen in die Finger. Das Material war sichtlich gealtert und ich war mir nicht sicher, ob man mit den Ergebnissen etwas anfangen könnte. Mit einem Spezialstift musste nach dem Entwickeln noch ein Fixativ aufgebracht werden.

Julchen, Polaroid

Ich liebe diese Zufälligkeiten, die sich unbeabsichtigt ergeben. Sei es die unbelichtete Stelle rechts, die sich wie ein Balken in das Bild hineinzieht oder oben links die Stelle, die wie angefressen aussieht. Die Ausfransungen ergeben sich durch das Abreißen von der Filmrolle. Erstaunlich ist der Kontrast, schließlich ist der Hund schwarz. Schön, wie sich graphische Elemente mit der Natur verbinden. Das Photo ist ca. 1980 entstanden, irgendwann im Sommer des Jahres.

Selbstauslöser

Ganymed 2

Was passiert, wenn sich Gesellschaft vergißt? Einfach nicht bemerkt, wie sie verschwindet, sich auflöst, wie Brause in einem Wasserglas. Wenn alles nur noch einen schalen Geschmack hat, wenn wir, die Götter, warten und beobachten ohne einzugreifen. Ohne Einzugreifen?

Ich werde mich an ihnen rächen. Mit einem zweiten Ganymed. Einem Ganymed über Ganymed. Noch unverständlicher, noch kryptischer. Welche Antwort verdient Oberfläche?

Ist doch kein miteinander tun und denken, ist losgelöst. Gibt der Lächerlichkeit preis. Ironisiert, herrscht. Referenziert.

Was kann Theater noch sein? Wo kann Theater sein, wenn nicht am Ort seiner Entstehung?

Sind Fahrräder Helden?

Kapitel 1

In dem Bernhard, ein Fahrradkurier in Berlin, Berlin jeglichen Bezug zur Realität verliert. Bernhard feiert Karneval in Oldenburg. Traudl schneidet sich die Pulsadern auf.

Wenn die Speichen eines Weißwandreifens offensichtlich schlecht geölt – weil fehlende Praxis des USERS sprich DAFNR (Dümmster Anzunehmender Fahrrad Nutz R*) * leicht modernistisch großgeschrieben überhöht – also schreiend hervorgehoben FUCK…

Berhard las leise aus seinem Tagebuch. Nein, die Zahnpastatube hatte er nur leicht geöffnet. Der Druck erhöhte sich. Er verspürte einen leichten Druck auf der Blase. Was war das? Eine Irritation? Die Ankündigung eines Cytoklasmus? Cytoklasmus war ihm gänzlich unbekannt. Es klang bedrohlich. Zombiemäßig. Vielleicht war es so etwas wie eine Ahnung. Sein Sternzeichen war die Jungfrau. Tatsächlich hatte er mit seinen 34 Jahren noch nie gebumst. Es führte diesen Umstand auf seine Ausbildung bei der Post zurück. Tägliches Stempeln – auch wenn sich das Datum fast täglich ändert – führt zu Ermüdungserscheinungen. Seine Betätigung als Eilender Bote in der Stadt (klar Berlin – Berlin, Berlin) oder elender in Berlin. Von Elend. Die Umstände waren es. Ja die Umstände. Mit dreiundzwanzig hatte er Traudl. (eig. Waltraud – Anm.) geschwängert. Es lag an ihrer sexuellen Anziehungskraft zu etwa 50%. Die anderen 50% rührten von seiner Geilheit. Vielleicht aber auch lag es an seiner perversen Genusssucht. Traudel war eine seiner ehemaligen Klassenkameradinnen aus dem Augustinum in Würzburg. Er traf sie bei einem „Hug In“ – Bärbel S. hatte in Berlin, als er für die Telekom heimlich Trojaner programmierte, eine „over thirty – but younger than fourty – fuck the system party“ organisiert, an der er auf Anraten des Kioskbesitzers am Alex (Nordostquere) teilnahm. Traudel fiel ihm gleich auf. Ihre Locken hatten etwas seventiesmäßiges. Er stand auf Bowie und Zeppelin. Gut, das war weit vor seiner Zeit. Aber Retro war irgendwie übelst geil. Er hatte sich als Montainbike verkleidet. Karneval war vorbei. Berlin narrenmäßig eher unterbelichtet. Traudel – Waltraud – kochte. Unter fast zweieinhalbtausend Maschinenbaustudenten hatte sie sich ausgerechnet Bernhard, the mountainbike als lover of the night ausgesucht. Bernhard merkte, dass seine Maskerade miserabel war. Traudel fingerte an ihren leicht schielenden Titten. Sollte das wirklich das Ende sein? Oder war es der Beginn einer ganz groben Liebe?

Traudl’s Zunge fühlte sich rauh an. Wie die von seinem Dackel Gotthart. Nein Er wollte jetzt nicht geküsst werden. Keine langwierigen Diskussionen, kein Streit um die Fernbedienung – dann lieber Schwarzbrot mit Bellafrutta aber ohne Sanella. War ja nicht verkehrt, sollte ihn die kleine Schlampe doch verwöhnen. Traudl hatte viele Namen. Kleine Schlampe fiel ihm immer zuerst ein. Von Obstler fühlt sich ne Zunge auch recht schwartig an. Macht Sprachstörungen und oberübel machomäßig aggro. Was is alter? Ruckzuck ist die Fresse blau. Scheiß Busfahrerei, Scheiß Zunge, Scheiß Bike. Neulich hatte sie sich als Beatrice vorgestellt. Mit Locken wie Atze seine Pudelmütze. Vollkotz. Berhard sagte: Traudl? Er hatte sie nicht sofort erkannt. Meine Freunde nennen mich Dackelzunge. Bernhard wieder: Doch Traudel? Walli? – Mein Gott, stell dir vor ich wäre drei Wochen auf einer Bohrinsel gewesen. Bernhard: Auf welcher? Traudl: Vollpfosten. Dumpfbacke.

Tagebuchschreiben und Zähneputzen auf einmal. Da musste etwas auf der Strecke bleiben. Meist floss weißroseefarbener Sabber zwischen die aufgeschlagenen Seiten der A5 Kladde. Zähneputzen mit Elektrovibrator geht. Manuell ist Kacke. Früher hatte er eine DoktorBest mit Flutschgelenk. Sein Sabber ließ die Schrift verlaufen. Wenn er Zeit hatte, malte er beim Frühstücken Ränder um die Sabberflecken und gab ihnen Gesichter. Die meisten sahen aus wie Sittiche oder Spatzen. Traudl mochte nicht, wenn er beim frühstücken malte. Er sollte die Scheiß Zeitung lesen, den Sportteil, wie ihr Vater.

Ach Bernhard – seufzte sie. Jetzt hatte er auch noch Marmelade im Heft. Bernard kam sich in solchen Momente vor wie ein Schuljunge. – Ist doch egal! – Er wischte die Marmelade weg. Aber das klebt doch. – Na und. – Idiot. Traudel stand auf und knallte die Küchentür hinter sich zu. Blöde Kuh! Steck‘ dir deinen Vater in den Arsch. Er drückte die beiden Seiten gegeneinander, so dass sie sich zwischen den Seiten verteilte. Dann drückte er noch mal mit dem Handrücken und schloss das Buch. Bellafrutta. Aprikose. Lecker. Das ist meine Bude. Meine Marmelade. Meine Zahnpasta. …und außerdem stinkst du! Berhard hatte sein Tagebuch wieder verstaut. Es sollten 18° werden und regnen. Regen war gar nicht gut. Regen macht Post nass. Briefe sollen trocken bleiben. Dafür gab es Präser. Gefühlsecht. Hä, Hä. Heinrich lachte eigentlich immer über seine eigenen Witze. Gefühlsecht Hä Hä! Berhard äffte ihn nach. Heinrich war eigentlich Ömer. Ömer sah aber so schwul deutsch aus. Also nannten ihn alle Heinrich. Berhard schwang sich auf seine hellblaue Prophete. Bis dann Heinrich. Traudel hatte eine fast normale Spießerjugend gehabt. Samstag in den Hundezwinger. Auf zum Platz. Gib Pfötchen. Siähtz! Hiach Hear! Fein gemacht. Komm bei Frauchen. Fünf Stunden Langeweile. In der Uhlandstrasse hörte er auf weiter in die Pedale zu treten. Da war sie wieder. Er hatte sie sofort an ihrer grauen Windjacke erkannt. Rosa. Rosa Mundeczynski. Aber alle sagten kurz Rosa. Rosa Munde.

Waltraud schmiss den BH in die Ecke. Weichei. Sie zog ihr Glätteisen aus dem Waschkorb. Scheiße seh‘ ich Kacke aus. Die Frau im Spiegel war wahrscheinlich ihre ältere Schwester. Traudel verzog das Gesicht. Mutter?  Vielleicht war ja nicht die ganze Marmelade in diesem beschissenen Heft gelandet. Kaffee war noch da. Ein Rest Jim. Jule rief an. Dann gib dem Arsch doch die Kante. Der ist doch vollschwul. Die perverse Sau. Andere Mütter haben auch Töchter. Traudel: Er fickt so gut. Jule: Wer will das schon wissen? Ist doch einer wie der andere. Einen Hering gesehen – alle Heringe gesehen. Funktionsgestörte Drüse. Alter eh. Gib dem Arsch die Kante. Soll ich dich abholen? Zwanzig Minuten und eine halbe Flasche Jim später war Jule unten an der Haustür. Zwanzig wenig leserliche Klingelbeschriftungen grinsten. Wie heißt Bernhard? Was mit W. Bernhard W. Wichser. Ja. Bernhard Wichser mit Rad. Jule zu einem Jungen: Kleiner. Der Wichser mit dem Rad. In welchem Stock? Hä? Junge: Entschuldigung. Ich muss in die Schule. Jule: Wartma, wartma, wartma. Ich muss zu dem. Junge: Bin schon spät dran. Erste Stunde Mathetest. Sorry.

Traudl hatte den Fernseher angemacht. Superblonde Langhaar „Sehn auch alle meine Titten“-Elli vs. aller Schwachsinn dieser Erde vereine dich. Oder Sich. Egal. Jim hatte sie wieder beruhigt. Ich sag‘s ja. Jim und Kaffee und alles ist im Tee.

Wie sollte es auch anders sein. Die Wangen von Rosa waren: rosa. Rosee. Ihre Lippen immer ein wenig beschwippst. Tochter eines polnischen Obristen und einer italienischen Tänzerin. Wie aus einer Operette. Wahrscheinlich in Warschau in der Pause zum dritten Akt der Fledermaus gezeugt. Liebe, Was ist Liebe? Pflegte Rosa zu sagen. Was ist das Liebe? Hast du Liebe? Hast du Herzen gestohlen? Wer stiehlt die ganzen Herzen? Wer tut so was? Bernhard: Ach Rosa, kleine Rosa. Dich in den Arm nehmen da fühle ich mich wie Leonardo Di Caprio. So voll romantisch. Bernhards Vorstellungskraft war enorm. Er kannte ihren Namen. Hatte sie vor ein paar Tagen das erste Mal gesehen. Was sind das für Mädels, die Gedichte rezitieren? Mädels, die ganz normal aussehen, aber so komisches Zeugs reden?

Die volle Dröhnung: das waren Traudl und ihre verkommene Schwester Jule. Zusammen waren sie wie Piranhas. Wirf dich rein. Wirf dich weg. Brodel, Brodel. Abgenagt bis auf die Knochen. Der Karneval in Osnabrück hatte dabei so gut begonnen. Dass zwei vorgeglühte Weiber auf einmal auf ihn standen, hatte er noch nicht erlebt.

Jule ging aus dem Treppenhaus wieder auf die Strasse. War das das richtige Haus? Die richtige Straße? Wohnte hier dieser Scheißkerl? Sie griff zu ihrem Handy. Nicht aufgeladen. Fuck. Sie blickte in die leeren Fensterscheiben. Fuck. Dann gab sie auf.

Traudl hatte Wasser in die Wanne gelassen. Supertittenlanghaar-Elli quatschte ohne Punkt und Komma. Ein Bad war genau richtig jetzt. Vielleicht entspannte das ja. Kaffee und Jim. Das verdammte Fahrrad. Waltraud hatte die Kaffetasse auf dem Wannenrand abgestellt. Beine und Muschi rasieren ist dran. Elli faselte endlos über irgendeine amerikanische Reality Chaotenshow. We love to entertain You. Irgendwelche Stimmen weit weg.

Der Regen hatte nachgelassen. Bernhard schob sein Rad durch den Eingang. Er schulterte seine Prophete immer, wenn er die Treppe nach oben ging. Auf der dritten Stufe lag ein Stapel Werbung. Sollte man verbieten, schoss es Bernhard durch den Kopf. Wer liest den Scheiß. Unnütz bedrucktes Papier. Packt doch wieder keiner in die Tonne. Das liegt dann wieder wochenlang herum. Wahrscheinlich war die kleine Schlampe wieder besoffen. Hast du was gekocht? Rief er, als er das Fahrrad im Flur an die Wand stellt. Traudl? Der Fernseher plärrte vor sich hin. Ist noch Kaffee da? Er legte den BH auf die Stuhllehne. Traudl? Kannste mal was sagen? Er setzte sich auf das Klo neben der Wanne. Traudl. Plimm machte es. Plimm. Noch ein Tropfen aus dem Hahn. Plimm. Dann zog er den Stöpsel aus der Wanne.