Schöpfung – Kirche St. Peter Spellen
Die beiden gegenüberliegenden Gemälde bilden einen künstlerischen und theologischen Dialog über die Schöpfung und das Verhältnis zwischen Gott und Mensch.
Das große Bild zeigt Jesus Christus inmitten von fünf Menschen unterschiedlicher Herkunft. Ihre abgewandten Blicke verdeutlichen die Vielfalt menschlicher Perspektiven und die Freiheit des Geschöpfes. Christus bleibt die ruhige Mitte, Sinnbild für Gottes bleibende Gegenwart in der Welt.
Gegenüber blickt Gottvater in den Sternenhimmel. Sein Gesicht, von Licht und Weisheit geprägt, steht für den Ursprung allen Lebens. Die goldenen Sterne symbolisieren das göttliche Wort, das das Universum ins Dasein ruft.
Gemeinsam veranschaulichen beide Werke die Schöpfung als fortdauernde Beziehung:
- Gott als Ursprung und Ziel allen Seins
- Der Mensch als Teil seiner lebendigen Schöpfung
- Christus als Bindeglied zwischen Himmel und Erde
So entsteht im Kirchenraum ein visuelles Glaubensbekenntnis: Schöpfung ist Begegnung zwischen Gott und Mensch.
Die beiden Bilder – „Schöpfung“ und „Gottvater unter den Sternen“ – lassen sich im Kontext kirchlicher bzw. christlicher Kunst als Werke der zeitgenössischen Sakralkunst einordnen. Sie stehen in der Tradition religiöser Darstellung, greifen aber die Formensprache der Moderne und Postmoderne auf.
Stilistische Einordnung
Beide Gemälde gehören zur modernen expressiven Kirchenmalerei, wie sie seit den 1960er Jahren zunehmend Einzug in sakrale Räume gefunden hat.
Typisch ist:
- der freie, farbintensive Pinselduktus,
- die symbolische Farbgebung (z. B. Gold als Zeichen des Göttlichen),
- der Verzicht auf naturalistische Abbildung, zugunsten einer emotionalen und spirituellen Wirkung.
Diese Ausdrucksweise steht in der Nachfolge von Künstlern wie Georg Meistermann, Oskar Kokoschka oder Josef Hegenbarth, die religiöse Themen in moderner Bildsprache interpretierten.
Inhaltliche und theologische Bedeutung
- Das Bild „Schöpfung“ zeigt Christus als den Mittelpunkt der Welt, umgeben von Menschen der Gegenwart. Es interpretiert das biblische Thema nicht als historische Szene, sondern als fortdauerndes göttliches Wirken in der modernen Welt.
- Das Gegenstück „Gottvater unter den Sternen“ verweist auf den transzendenten Ursprung der Schöpfung. Der alte, weise Blick Gottes steht für die göttliche Gegenwart jenseits der Zeit; der Schöpfer schaut liebevoll auf sein Werk.
Gemeinsam bilden beide Werke eine Trinitätliche Perspektive:
- Gottvater als Schöpfer,
- Christus als Vermittler,
- der vom hl. Geist erfüllte Mensch als Teil und Ziel der Schöpfung.
Kunsttheologische Einordnung
Die Werke sind nicht liturgisch-dekorativ, sondern meditativ-symbolisch. Sie laden zur Reflexion über die Beziehung zwischen Gott und Mensch ein.
Damit entsprechen sie dem Ansatz der modernen Sakralkunst: nicht mehr Belehrung, sondern Einladung zur spirituellen Begegnung.
Die beiden Bilder stehen exemplarisch für den Wandel kirchlicher Kunst im 20./21. Jahrhundert:
- Weg von der rein narrativen, illustrativen Darstellung,
- hin zu einer existentiell-symbolischen Bildsprache,
die Glaubenswirklichkeit durch Farbe, Form und Ausdruckskraft erfahrbar macht.
Sie verbinden so Tradition und Gegenwart, Theologie und Emotion, Verkündigung und Betrachtung; ein zeitgenössisches Glaubensbekenntnis in Farbe.
Christopherus Steindor – Radikalität als Methode.
Zum Werk eines zeitgenössischen Außenseiters
Das künstlerische Werk von Christopherus Steindor, entstanden über fünf Jahrzehnte, bildet eine selten kohärente Linie der beharrlichen Selbstbefragung. Vom expressiven Gestus der frühen 1970er Jahre über die metaphysischen Arbeiten der 2000er bis zu den jüngsten Collagen und Farbfeldern der Jahre 2023/24 entwickelt Steindor eine Ästhetik der Radikalität, die sich jeder Mode entzieht. Seine Malerei ist ein Erkenntnisinstrument, ein fortgesetzter Dialog zwischen Schöpfung und Zerstörung.
Mit der Spellener Schöpfung und dem Gottvater unter den Sternen betritt Steindor schließlich eine metaphysische Ebene. Hier formuliert er das Verhältnis von Künstler und Schöpfung als Paradox: Der Schöpfer erschafft nicht Welt, sondern Bild, und zerstört damit die Illusion göttlicher Ganzheit. Farbe wird zum Medium des Zweifelns.
Diese Werke sind in ihrer Größe und Geste monumental, doch sie verweigern jede Autorität. Steindor bleibt Außenseiter, unabhängig von Markt, Institution und Modetrend.
In einer Kunstwelt, die zwischen Markt, Diskurs und Simulation oszilliert, bleibt Steindor der seltene Fall eines Künstlers, der nicht gefallen will. Seine Bilder sind keine Antworten, sondern Zumutungen.
Sie fordern den Betrachter dazu auf, das eigene Sehen zu überdenken und genau das macht sie notwendig.