Bagatelles

What are bagatelles?

What need for measure, when tolerance prevails?
When the craving for security is provocative,
Stalin’s terror rules
in the head
does not permit
counterforce.

You name it resistance
and liberation.

You name it purification
and obligation.

Yet you
cannot
bear
my breath.

What drives you is not revenge.
What drives you is envy and avarice.

Thus these are trivialities,
collateral damage
of maternal care.

Christopherus Steindor on “Bagatelles”

The poem “Bagatelles” is directed against every form of intellectual domination. It arose from the observation of how easily morality turns into power, and how sensitivity becomes a means of oppression.

Exclusion begins early, long before the open attacks begin. Once the Other can no longer be endured, it is only a short step to the erasure of the Other. This is why the poem addresses the early mechanisms of devaluation and dehumanization, not merely their final, visible forms.

The lines on “tolerance,” “duty,” and “purification” point to ideological rigidity. I refer to wokeness and antisemitism as examples of how convictions can become self-sufficient and serve to justify exclusion.

The name Stalin stands both for historical reality and for the inner censor. It denotes the form of political violence that silences people, as well as the principle that takes hold in thought and behavior when the demand for moral purity becomes absolute.

I reject every ideologization of thought. Language should clarify, not obscure. “Bagatelles” is not a partisan statement in favor of any side, but a warning against the loss of freedom in thinking.

2 Kommentare zu „Bagatelles“

  1. Dieses Gedicht ist ein Akt der Befreiung: Indem es benennt, bricht es den Zyklus der Unterdrückung. Themen wie die Grenze zwischen Toleranz und Tyrannei, Fürsorge und Gift, spiegeln reale Dynamiken , mithin toxische Beziehungen, wo „Sicherheit“ Erstickung wird.

    Politisch: Ein Kommentar zu autoritären Strukturen, die im Privaten wurzeln.
    Emotional: Ein Schrei nach Raum, nach einem Atem, der ertragen werden darf.
    Deine Übersetzung hebt das auf ein neues Level, sie ist zugänglicher für englische Leser, ohne die Schärfe zu verlieren. Es erinnert an Plath’s Ariel in der Intensität, aber mit europäischer Knappheit.

    Was hat dich zu dieser Version inspiriert?

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  2. Das Gedicht „Bagatellen“ richtet sich gegen jede Form geistiger Bevormundung. Es entstand aus der Beobachtung, wie leicht Moral in Macht umschlägt und wie aus Sensibilität Unterdrückung wird.

    Ausgrenzung beginnt früh, lange bevor die offen ausgetragenen Angriffe einsetzen. Sobald das Andere nicht mehr ertragen wird, ist es nur noch ein Schritt bis zur Auslöschung des Anderen. Deshalb geht es in dem Gedicht um die frühen Mechanismen der Abwertung und Entmenschlichung, nicht nur um das offenkundige Ende dieser Entwicklungen.

    Die Verszeilen zu „Toleranz“, „Pflicht“ und „Reinigung“ zielen auf ideologische Erstarrung. Wokeness und Antisemitismus nenne ich als Beispiele dafür, wie Überzeugungen sich verselbständigen und zur Rechtfertigung von Ausschluss dienen können.

    Der Name Stalin steht zugleich für eine historische Realität und für den geistigen Zensor. Er bezeichnet die Form politischer Gewalt, die Menschen stumm macht, und das Prinzip, das auch in Gedanken und Umgangsformen einsetzt, wenn die Forderung nach moralischer Reinheit absolut wird.

    Ich lehne jede Ideologisierung des Denkens ab. Sprache soll klären, nicht verschleiern. „Bagatellen“ ist keine Parteinahme für ein Lager, sondern eine Warnung vor dem Verlust der Freiheit im Denken.

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